Ist der Abwärtstrend im Handelsschiffbau gestoppt?

Nach einem weiteren Jahr mit rückläufigen Schiffbauaufträgen in 2020, haben die Reedereien in 2021 wieder verstärkt neue Schiffe bestellt. Angetrieben von der enormen Marktnachfrage, insbesondere in der Containerschifffahrt, erlebte die Auftragsvergabe in den vergangenen Monaten einen Boom. Nach Daten von Clarkson Research wurden im ersten Halbjahr 2021 mehr Handelsschiffe bestellt als im gesamten Jahr 2020, da sich die Reedereien zu Beginn der Pandemie mit Aufträgen zurückhielten. Insgesamt wurden zwischen Januar und Juni 749 Handelsschiffe (~23 Mio. cgt) bestellt, das ist seit 2013 das höchste Auftragsvolumen in einem Halbjahr.

Aber, nur zur Erinnerung: Lediglich die Werften in China und Südkorea haben bisher vom Neubauboom profitiert, denn 89 % dieser Aufträge gingen in diese beiden Länder (~21 Mio. cgt). Das ist nicht verwunderlich, da insbesondere die Betriebe in China nicht nur hohe staatliche Subventionen erhalten und deshalb „Dumpingpreise“ anbieten können, sondern auch vom Bestellverhalten der Schiffseigner, insbesondere der inländischen, profitieren. So vergeben chinesische Unternehmen Schiffbauaufträge fast ausschließlich an heimische Werften, laut Auftragsbestand Anfang Juli 2021 waren das beinahe 97 %.

In Europa ist das Gegenteil der Fall: Die EU-Reedereien haben nur 20 % ihrer Aufträge an europäische Werften vergeben. Dies ist natürlich auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass z. B. der Bau von Containerschiffen – insbesondere für die aktuellen Mega-Carrier – von europäischen Werften seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr wettbewerbsfähig angeboten wird.

Das ISL SSMR 2021-7 befasst sich mit verschiedenen Entwicklungen rund um den Schiffbau und kann über den ISL-Webshop bestellt werden.