Keine Erholung entlang der globalen Lieferketten in Sicht

Im Jahr 2021 stieg die Nachfrage für in Asien produzierte und anschließend in Containern transportierte Konsumgüter stark an. Dies führte zu einem massiven Anstieg des Seeverkehrs, der häufig die Kapazität der großen Containerhäfen überstieg und zu Staus führte, da die Schiffe auf das Löschen ihrer Ladung warten mussten. Auch Arbeitskräftemangel aufgrund hoher Krankenstände sowie fehlende Lagerflächen schränkten die Fähigkeit der Häfen ein, mehr Fracht umzuschlagen. Nach Erhebungen von Sea Intelligence führte die Überlastung der Häfen in den ersten Wochen des Jahres 2022 insbesondere an der US-Westküste, aber auch an der US-Ostküste und zunehmend in Europa dazu, dass ein Containerschiff durchschnittlich 10,9 Tage am Liegeplatz oder in Warteposition verbrachte. Im Vergleich zu 2021 hat sich die durchschnittliche Liegezeit verdoppelt.

Angesichts des Krieges in der Ukraine, der chinesischen Null-Covid-Politik und der enorm gestiegenen Treibstoffpreise prägen auch in diesem Jahr Verzögerungen und anhaltende Lieferengpässe die Aussichten für den Welthandel. Die WTO meldete für März 2022 einen Rückgang des Welthandels um 0,2 % gegenüber dem Vorjahr sowie insgesamt eher stagnierende Trends für die ersten Monate des Jahres. Verzögerungen konnten so durch eine gewisse Abschwächung der Nachfrage insbesondere in China etwas gemildert wurden. Allerdings sind die Verzögerungen noch immer so enorm, dass die Lieferketten für den Rest des Jahres angespannt bleiben werden. Hinzu kommt, dass im Zuge des russischen Einmarsches in der Ukraine, die Preise für eine Reihe von Rohstoffen in die Höhe getrieben wurden, was wiederum die Inflation spürbar anheizt.

Durch gestörte Lieferketten sowie mangelnde Kapazitäten wurden in der Containerschifffahrt Rekordgewinne erzielt.  Anfang 2022 lagen die Fracht- und Charterraten auf einem Allzeithoch. Reedereien wie Maersk, MSC oder Hapag-Lloyd meldeten ein neues Rekordergebnis nach dem anderen und haben u.a. in neue Containerschiffe investiert. Laut CRSL wurden seit Anfang 2021 Aufträge für 681 Containerschiffe mit einer Stellplatzkapazität von 5,2 Millionen TEU platziert. Mit einer Kapazität von 6,6 Millionen TEU erreichte der weltweite Auftragsbestand die höchsten Werte seit 14 Jahren. Zur Erinnerung: Noch im Oktober 2020 hatte der Auftragsbestand mit 1,9 Millionen TEU nach der Finanzkrise einen Tiefstand erreicht.


Die ISL SSMR 4-2022 beleuchtet die aktuellen Entwicklungen rund um die Containerschifffahrt. Es ist per Download über unseren Webshop erhältlich und wird in Kürze an unsere Abonnenten verschickt.


Die Themenschwerpunkte der einzelnen SSMR Ausgaben im Überblick:

  • Ausgabe 1: World Merchant Fleet
  • Ausgabe 2: Tanker Market
  • Ausgabe 3: Bulk Carrier Market
  • Ausgabe 4: Container Shipping
  • Ausgabe 5: General Cargo and Container Shipping
  • Ausgabe 6: Passenger and Cruise Shipping
  • Ausgabe 7: Shipbuilding and Shipbuilders
  • Ausgabe 8: Major Shipping Nations
  • Ausgabe 9: World Seaborne Trade and World Port Traffic