Nordostpassage durch die Arktis. Der kurze Seeweg nach Ostasien? Reale Option? Fluch oder Segen?

Die Idee eines Seewegs durch die Nordostpassage fasziniert Menschen schon seit mehreren hundert Jahren. Nun scheint die Durchfahrt aufgrund klimatischer Veränderungen auch wirtschaftlich attraktiv zu werden: Der Seeweg von Europa nach Asien (oder umgekehrt) ist durch die Nordostpassage zumindest in einigen Beispielen erheblich kürzer als die traditionelle Route durch den Suezkanal. Zudem scheint sich die eisfreie Zeit zwischen August und Anfang Oktober in den letzten Jahren immer mehr auszudehnen.

Doch macht diese Route für Containerschiffe tatsächlich Sinn, wenn man die Versorgung der Schiffe sowie den Weitertransport der Güter bedenkt? Oder muss erst intensiv in den Ausbau von Infrastruktur investiert werden? Und wie würde sich diese Entwicklung wiederum auf Einwohner und Natur auswirken?

Nordostpassage durch die Arktis. Der kurze Seeweg nach Ostasien? Reale Option? Fluch oder Segen? © ISL/Voth

Diese und weitere Punkte beleuchteten unter Moderation von Radio Bremen-Journalist Andreas Neumann die Experten Dr. Lars Kaleschke (AWI), Dr. Lars Stemmler (bremenports) und Prof. Dr. Burkhard Lemper (ISL) am Abend des 28.11.2019 im Industrieclub Bremen. Nach einem kurzen Filmbeitrag zum geplanten Bau eines neuen Hafens am Finnafjord in Island entwickelte sich bezugnehmend eine angeregte Podiumsdiskussion. „Ich hege Zweifel, ob Deutschland nennenswerten Einfluss auf einen zukünftigen Kampf um Bodenschätze in der Arktis nehmen kann“ – so Prof. Dr. Lemper zur Frage des Moderators, ob sich eine derartige Entwicklung aufhalten ließe. Dr. Stemmler ist der Ansicht, „dass dieser Kampf bereits im vollen Gang ist und Deutschland dabei die wichtige Rolle als Beobachter einnimmt.“ Dass der Abbau von Bodenschätzen mit großer Vorsicht vorgenommen werden sollte, betonte Dr. Kaleschke, denn „eine Ölkatastrophe in der Arktis wäre verheerend.“

Der Einladung des Ostasiatischen Vereins Bremen e.V. (OAV) waren ca. 80 Gäste gefolgt, die nach der einstündigen Podiumsdiskussion gebeten wurden, ihre Fragen zum Thema zu stellen. Großes Interesse bestand an der Hypothese, dass es tatsächlich für die Linienschifffahrt eine Zeitersparnis bedeuten könnte, die Nordostpassage zu nutzen.

Diese Form der Veranstaltung wurde zum ersten Mal vom OAV durchgeführt und war, wie die angeregten Gespräche zeigten, ein voller Erfolg.