Die Rolle der maritimen Wirtschaft bei der Etablierung einer deutschen Wasserstoffwirtschaft

Wasserstoff gilt als einer der wichtigsten Energielieferanten der Zukunft. Die Bundesregierung betont in ihrer Nationalen Wasserstoffstrategie seine Vielfältigkeit als Energieträger und -speicher und setzt sich u.a. zum Ziel, Wasserstoff und wasserstoffbasierte synthetische Kraftstoffe als alternative Energieträger zu etablieren sowie die Transport- und Verteil-Infrastruktur auszubauen. Den Seehäfen und der maritimen Industrie kommt hierbei eine zentrale Rolle bei Import, Produktion und Verteilung von Wasserstoff zu.

Das ISL erstellt derzeit gemeinsam mit seinen Partnern Sphera Solutions GmbH und GMW Consultancy eine Studie für das Deutsche Maritime Zentrum (DMZ), in der die Aufgaben für die Maritime Wirtschaft und für die öffentliche Hand zur Etablierung der Wasserstoffwirtschaft von Produktion über Lagerung und Transport bis zum Verbraucher definiert werden. Betrachtet wird die Nutzung von Wasserstofftechnologie in allen maritimen Teilbranchen, dazu gehören die Seehäfen als Verbraucher, Orte für Versuchsanlagen und Ansiedlungsstandorte für Industrieunternehmen ebenso wie Schiffe und die Produktion von Offshore-Windenergie. Die Rolle von Schiffbau, Schifffahrt und Häfen für Transport, Umschlag, Lagerung und Nutzung soll beurteilt und weiterer Handlungsbedarf ermittelt werden.

Die Rolle der maritimen Wirtschaft bei der Etablierung einer deutschen Wasserstoffwirtschaft
©pixabay

Erste Ergebnisse der Untersuchungen wurden am 21.04.2021 im Rahmen einer Online-Veranstaltung des DMZ präsentiert. Den Auftakt bildeten zwei Impulse von Detlef Wilde (Alfred-Wegener-Institut) und Dr. Tobias Haack (Vorstand der HADAG Seetouristik und Fährdienst AG), die jeweils die Pläne ihrer Organisationen im Hinblick auf einen klimaneutralen Schiffsbetrieb vorstellten. Anschließend präsentierte Thomas Rust (Ramboll) Ergebnisse zum Status quo der Kraftstoff-Arten und -Verbräuche im Schiffsverkehr weltweit, die im Rahmen einer weiteren aktuell laufenden DMZ-Studie zum Thema Kraftstoff-Portfolio erhoben wurden.

Dr. Nils Meyer-Larsen (ISL) erläuterte erste Ergebnisse der Studie des ISL. Er stellte eine Analyse der Norddeutschen, der Nationalen und der Europäischen Wasserstoffstrategien vor und beschrieb die verschiedenen Optionen für den globalen Transport von Wasserstoff und Wasserstoffprodukten. Weiterhin veranschaulichte er die Anwendung von Wasserstoff-Technologien in der maritimen Branche und die damit verbundenen Prozessketten von der Herstellung zum fertigen Produkt.

Die mehr als 200 teilnehmenden Expertinnen und Experten diskutierten im Anschluss, welche Treibstoffe aktuell für die Schifffahrt zur Verfügung stehen und welche Möglichkeiten der Herstellung und der Nutzung sowie des Transports von Wasserstoff entlang der maritimen Logistikkette es heute und perspektivisch gibt.

Beide Studien sollen im Sommer 2021 abgeschlossen und veröffentlicht werden.

Logo DMZ